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Der Atem – ein Weg in die innere Freiheit. Teil 3

September 1, 2011
Oder River at the estuary of the Neiße River i...

Oder River at the estuary of the Neiße River into the Oder River. (Photo credit: Wikipedia)

Die natürliche Atmung

Schauen wir uns also die natürliche Atmung etwas genauer an. Dazu müssen wir erst einmal das Zwerchfell genau lokalisieren. Das Zwerchfell ist ein Quermuskel, der an den Rippenbögen angewachsen ist und durch den ganzen Körper nach hinten bis zum Rücken und der Wirbelsäule reicht. Wenn Sie mit Ihren Fingern den unteren Rippenbogen von der Mitte bis zur Seite abtasten, wandern Sie genau am vorderen Ansatz des Zwerchfells entlang. Hier an der Seite, auch Flanken genannt, beginnt das Zwerchfell nun immer breiter zu werden bis hin zur Wirbelsäule, wo es wieder angewachsen ist. Wie ein Segel breitet es sich über die ganze Lendenwirbelsäule nach oben bis zum 12. Brustwirbel und nach unten bis zum Steißbein aus.

Das Zwerchfell stützt also einerseits unsere untere Wirbelsäule, und teilt andererseits durch seine Querlage im Körper den Brustraum vom Bauchraum. So erklärt es sich, daß bei der natürlichen Atmung die Mitte des Körpers – etwa auf Nabelhöhe – rundherum weit und schmal wird.

Lassen Sie uns wieder einen Versuch wagen:  

Probieren Sie es erst in Rückenlage aus, bevor Sie die Übung ins Sitzen oder Stehen übertragen. Legen Sie wieder beide Hände flach auf Ihre Nabel- und Flankengegend und beobachten Sie Ihren Atem. Sammeln Sie sich mit Ihren Gedanken und Ihrem Fühlen auf Ihre Leibgegend und warten Sie, bis der Atem sich dort einstellt. Sie nehmen wahr, wie Ihr Bauch und Ihre Flanken, ja das ganze Becken beim Ausatmen in das Leibinnere schwingen, so als ob Sie dünner werden. Wenn es Ihnen nun gelingt, die Atemruhe zu genießen ohne den Atem anzuhalten, so stellt sich ein gewisser Atemhunger ein. Diesem geben Sie nach und „lassen es“ wohlig einströmen (also nicht aktiv den Atem holen!). Wie ein aufblasbarer Reifen wölben sich dabei Bauch, Unterbauch, Flanken, ein Teil des Rückens und das ganze Becken rundherum nach außen und schwingen mit dem nächsten Ausatmen wieder zurück ins Leibinnere.

Konnten Sie wahrnehmen, wie sich im Lauf der Zeit eine innere Ruhe und ein Wohlgefühl einstellen?
Konnten Sie die Selbstverständlichkeit der Atembewegung genießen?
Konnten Sie „es“ geschehen lassen?
Oder haben Sie Ihrem Atem noch nachgeholfen?
Oder bewußt die Bauchdecke bewegt?

Keine Sorge, Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Die meisten Menschen in unserer sogenannten zivilisierten Gesellschaft müssen sich erst mal damit herumplagen, daß das Zwerchfell seine natürliche Funktion wieder übernimmt.

Was passiert bei der natürlichen Atmung?

Die natürliche Atmung besteht aus drei Atemphasen: Ausatem, Atemruhe, Einatem.

Bewußt beginne ich mit dem Ausatem, denn dieser ist in unserer heutigen zivilisierten Welt der wichtigste Teil der Atmung. Viele körperliche und geistig-seelische Verkrampfungen entstehen erst gar nicht, wenn wir richtig ausatmen. Dabei entspannt sich das Zwerchfell, es kommt in seine Ausgangsposition. Wer ergiebig ausatmet, ohne zwanghaft zu werden, atmet zum größten Teil richtig. Durch eine tiefe Ausatmung werden wir entgiftet, entschlackt, entsäuert und somit innerlich gereinigt.

Die Atemruhe, die nun ganz natürlich folgt, schenkt uns Entspannung. Sie löst und lockert unseren ganzen Organismus und entspannt unsere Nerven. Dabei ist zu beachten, dass der Atem nicht angehalten wird sondern eher wie ein Ton im Konzertsaal verklingt. Es ist fast nicht wahrzunehmen, und doch ist in dieser Atemruhe ein ganz leises Verströmen von Restatem. Alles innere Tun kommt zur Ruhe, das Gefäß ist nun leer. Wunderbar, wenn das nach jedem Ausatem gelingen kann. Das Zwerchfell findet den Ort der Ruhe.

Aus dieser inneren Ruhe, aus dieser inneren Leere kommt die Inspiratio, der Einatem. Und wie eine Inspiration bekommen wir den Einatem geschenkt. Es ist das Geschenk des Lebens an uns – mal leise, mal lauter, mal tiefer, mal flacher, mal kürzer, mal länger. Nun dehnt sich wieder der ganze Leib auf der Höhe des Nabels in alle Richtungen aus – die gesunde Vollatmung.

Als Kinder konnten wir alle die gesunde Vollatmung, mit Ausnahme von Kindern mit einem Geburtsfehler. Und wenn Sie heute als Erwachsene die Möglichkeit haben ein Kind in seinem Atemverhalten zu beobachten, werden Sie feststellen, dass es viel kürzer atmet als Sie selbst – das ist normal für so ein kleines Menschenkind – und dass Sie überall am Körper eine feine Atembewegung feststellen können. In der Tierwelt können Sie die gleiche Beobachtung einer natürlichen Atembewegung machen. Katzen mit ihren feinen Haaren sind dafür besonders gut geeignet. Bis in die Tatzen sehen Sie die Bewegung der Haare – vom Atem bewegt.

Sie möchten tiefer einsteigen? In einem Persönlichkeitscoaching oder einem Atemseminar? Hier gehts zu meinen Angeboten.

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ATEM. Stressabbau und –bewältigung im beruflichen Alltag
Näheres unter http://www.unger-dialog.de/buch.php

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From → Atem ist Leben

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