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Die Figur aus Ton

Juli 7, 2013

Ein junger Mann besaß eine Figur aus Ton, die er von seiner Familie gererbt hatte. Mit der Figur aber war er nicht glücklich. Er fühlte sich von ihr zwar angezogen, andererseits aber hatte er das Gefühl, dass sie edler sein müsste. Er schämte sich ob der hässlichen Figur und verbannte sie in eine Truhe. Als er das erste eigene Geld verdiente, fing er an, immer wieder etwas beiseite zu legen. Als er genug zusammengespart hatte, brachte er die Figur zu einem Künstler und ließ sie vergolden. Jetzt war er zufrieden und zeigte die Figur stolz seinen Bekannten und Freunden. Allein das Goldkleid hielt nicht lange. Es bekam Risse und der Ton schimmerte wieder durch. Er war sehr betrübt, weil sie nicht seinen Vorstellungen entsprach. So brachte er sie ein ums andere Mal wieder weg, um die Goldschicht erneuern zu lassen. Bald stellte er fest, dass er all seine Zeit und Mittel darauf verwendete, die goldene Fassade der Figur zu erhalten.

Da geschah es eines Tages, dass ihm die Figur, als er sie wieder einmal genau betrachtete, aus der Hand glitt und auf den Boden fiel. Als er sie aufhob, stellte er mit Schrecken fest, dass sie beschädigt und ein Stück des Tons abgesplittert war. Da wurde er sehr traurig. Beim näheren Betrachten jedoch entdeckte er unter dem Ton ein metallisches Leuchten. Er befreite die Figur von der Erdschicht und zum Vorschein kam eine rein güldene Statue, die genau so aussah, wie er sie sich schon immer vorgestellt hatte. Er freute sich sehr und gab ihr einen Ehrenplatz in seinem Haus. Gleichzeitig erinnerte er sich, dass er die Statue schon einmal in dieser Form gesehen hatte.

Als er mit seiner Großmutter darüber sprach, erzählte diese: „Als Du noch ein Kind warst, hast Du am liebsten mit dieser Figur gespielt. Sie war dein Ein und Alles. Doch eines Tages fiel sie Dir in den Brunnen. Du warst damals sehr traurig, dass Du die Figur verloren hattest. Als der Brunnen eines Tages neu ausgehoben wurde, hat Dein Großvater die Figur im Schlamm entdeckt und für Dich so aufgehoben, wie sie war – mit einer Tonschicht bedeckt. Die Figur war immer gülden und so hattest Du sie in Erinnerung. Du hättest sie nicht von außen vergolden lassen, sondern nur den inneren goldenen Kern ans Tageslicht bringen müssen, der immer vorhanden war.“

Diese Buddhistische Weisheitsgeschichte erinnert mich daran, dass der Mensch in seinem innersten Wesenskern vollkommen und in Ordnung ist. Auch wenn diese innere Ordnung im Laufe des Lebens gestört werden kann: Wir haben immer die Möglichkeit, uns von der „Erdschicht“ zu befreien, um das Kostbarste in uns zum Vorschein zu bringen.

Die Achtsamkeit für den individuellen Atem ist ein Königsweg,

– die innere Ordnung wieder zu erlangen,

– ein vollkommenes  „Ja zum Leben“ zu finden,

– ein authentisches Da-Sein zu spüren.

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